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Episoden Kommentare

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Tödliche Liebe  
28.10.2017 22:54:30
 
Eine im Wesentlichen gelungene Folge. Columbo hat es mit einem wieder einmal sehr trickreichen Täter zu tun, der über eine Ecke herum den Liebhaber seiner Lebensgefährtin nach Louis-Jourdan-Art betäubt, um Letztere umzubringen und den Verdacht Ersterem in die Schuhe zu schieben. Interessanter Schnitt, wie der Täter seine Handschuhe überstreift, um anscheinend gewalttätig zu werden, um hiernach etwas völlig anderes mit diesen Handschuhen zu machen: Obwohl wir doppelgetäuscht werden (also später bemerken, dass die angedeutete Gewalttat in der Ellipse eben doch stattgefunden hat) und zuvor mit einem Fast-Hochhausabsturz sogar noch eine ganz andere Todesart antizipiert hatten, verlässt der Film den gewohnten „Howtocatch‘em“-Pfad nicht. Und lässt sich dabei einiges einfallen! Dass der Täter ein gerissener Strafverteidiger ist, der noch nie einen Fall verloren hat, macht ihn zu einem für Columbo ernstzunehmenden Gegner. Dabei wird der serientypische Ausgang bereits beim ersten Zusammentreffen der beiden auf humorvolle wie bezeichnende Weise antizipiert: Columbo stört ausgerechnet bei einem Mordprozess, in dem der Mann seine unsauberen und durchsichtigen (aber für den Notfall hat er eh alle geschmiert) Psychotricks aufgefahren hat. Danach bekommt es der Serie ganz gut, dass Columbo tatsächlich einmal für einen Moment in die falsche Richtung ermittelt, was nicht nur für mehr Glaubwürdigkeit sorgt, sondern auch für eine schöne Szene mit seinem weiblichen Assistenten (schon klar, wer die Wumme zückt – „Gehen Sie mal zur Seite…“). Und für einen Gastauftritt von Little Richard. Natürlich kommt der Ermittler wieder auf Kurs, was in ein Ping-Pong mit interessantem Schlussteil führt. Nachdem Columbo denkt, die Katze im Sack zu haben, taucht auf einmal ein Radarfallenfoto des Täters auf, das ihm ein Alibi zu verschaffen scheint. „Gegen diesen Strafzettel kann ich nun wirklich nichts tun“, sagt er triumphierend. Böse Pointe ist, dass er das eben doch können wird, aber umgekehrt… Somit alles gut geschrieben und clevere Auflösung. Zudem ist wieder einmal interessant, wie sich unvorhergesehenerweise eine Nebenfigur zum dominanten Raffzahn entwickelt (Peter Falks Gattin!) und in menschliche Abgründe abseits der erwarteten Front blicken lässt. Was den Mörder angenehm ambivalent erscheinen lässt, ist er doch nicht nur der aalglatte, gerissene Arroganzling, sondern auch ein Gequälter (dito durch das Gehörnt- und Erpresstwerden von Seiten seiner Lebensgefährtin). Bedauerlich hingegen ist der Hang der Folge zum Überzogenen. Columbo sagt am Tatort selbst, dass er seltsam sei, was schon viel heißt. Eines der „kleinen Dinge, die ihn stören“ ist gleichsam unglaubwürdig wie hergesucht und für Columbo-Verhältnisse sogar billig obszön: „Knallen und spritzen, darum trinkt man doch Champagner, das hat doch auch etwas Sexuelles, Knallen und Spritzen.“ Also bitte! Und deswegen öffne ein Pärchen die Flasche zusammen? Dass der Täter dies nicht bedacht habe, kann man wohl kaum als Fehler ansehen. Eher schon, dass ein Profi-Privatdetektiv den Putz nicht entfernt, der beim Einbau einer versteckten Kamera auf tiefer liegende Bilderrahmen gerieselt sowie am Objektivrand haften geblieben ist. Hier macht’s ein Mann dem Cop extrem leicht und ist der Film im Übrigen reine Farce und Parodie: Die Kleidung dieses Mannes und der top shot von ihm im Büro inklusive Schriftzug auf der Glastür und Deckenventilator sind pure Hardboiled-Noir-Reverenz. Eigentlich nett, aber der Rollenname „Sam Marlowe“ ist schon eher eine plumpe Kombination der beiden Ikonen Sam Spade und Philip Marlowe. Auch eine Verständigungsschwierigkeitsszene mit einem japanischen Gärtner ist etwas grenzwertig. Schließlich ist Columbos Aufwand am Ende völlig unnötig; er muss weder selbst in die Radarfalle rasen noch seine Assistentin mit Maske präsentieren, um zeigen, was er eben zeigt. Je besser mit dem Fall verwoben, desto besser die Gags; dies klappt bei der Radarfalle am Ende und dem unsäglichen „Knallen und Spritzen“ am Anfang leider nicht so gut. Vielleicht wäre dieser Fall einfach besser gewesen, wenn man ihn, was es bei den jüngeren Folgen nicht mehr gab, als 70-Minüter gestaltet hätte. Gleichwohl ein guter Film, der nur aufpassen muss, seinem Hang zum Verspielten nicht zu sehr nachzugeben. 7 von 9.

Niemand stirbt zweimal  
26.10.2017 12:41:14
 
Zu Hlega, falls sie das noch liest: 2. Satz von Mozarts Kleiner Nachtmusik. Aus diesem Stück kommt öfter mal was vor, gern auch der vierte Satz, z.B. in dieser Folge mit Cassavetes als Dirigent, aber auch in anderen.

Schleichendes Gift  
24.10.2017 09:41:59
 
Chemie ist wichtig und „Zahnärzte sind die Schlimmsten, die es gibt“ (Karius und Baktus) – was Schülern gesagt werden muss bzw. sie eh zu wissen glauben, könnte auch über dieser Folge stehen, die sehr gelungen ist. Knapp an der Höchstwertung aus sehr persönlichen Gründen vorbei (9 Punkte gebe ich nur sehr wenigen Folgen, die einen noch etwas höheren Empathiefaktor haben). Der Mord und die Vertuschung sind trickreich, sodass sich der auch diesmal recht detaillierte und lange erste Akt lohnt. Die Anfangsfehler der Täters haben eher mit Nebenaspekten der Ausführung zu tun und sind daher plausibel (wer ein versierter Zahnarzt ist, kann den Mord perfekt ausführen, aber schon mal beim Vortäuschen eines Autounfalls das Umlegen des Automatik-Schalthebels vergessen). Außerdem servieren sie Columbo die Lösung nicht gleich auf dem Silbertablett, sodass er noch einiges zu knabbern hat und am Ende mal wieder eine seiner höchst originellen Fallen stellt, die auch ich zunächst nicht durchschaut hatte (hätte ich halt in Chemie besser aufgepasst). Daneben die kauzigen Kultfaktoren auf gewohntem Niveau (diesmal u.a. Polizeisirene, in echt!), ohne zu sehr ins Alberne und/oder in allzu umständliche „Demonstrationen“ des Ermittlers abzugleiten. Eine wirklich runde Folge!

Luzifers Schüler  
22.10.2017 00:00:41
 
Columbo doziert! Ist doch schön, dass man das, was er sowieso gelegentlich gern tut, mal offiziell macht. Da passt es auch besser. Und es hat nicht einmal den Hang zum Überzogenen. Grad dass die Folge eigentlich nur mit einem Etappen- sowie Teilsieg endet, was der Web-Bewerter geringfügig kritisch sieht, ist mir eine hochsympathische Abwechslung – kratzt die Folge doch (ohne das Gesetz der Serie zu verleugnen) geringfügig am Muster, nach dem Columbo immer gewinnt. Grad bei den arroganten Tätern genießt er, der Humanist, es gelegentlich ein wenig zu sehr, sie in die Schranken zu verweisen. Hier hingegen kann er sich das nicht leisten, hatte tatsächlich ein wenig Glück, wird wohl nie hinter das Motiv kommen – und die Drohung, dass der einflussreiche Vater des einen Mörders ihn und seinen Freund wieder raushauen könne, wirkt nicht mal unrealistisch: Die wieder einmal effektive, wenn auch aus „Meine Tote, Deine Tote“ bekannte Falle mag tatsächlich dazu führen, dass dadurch erlangte Beweise vor Gericht nicht verwertbar sind. Und der Rausschmiss vom College würde dann ebenfalls nicht erfolgen, weil der Mann, der von illegal beschafften Testergebnissen wusste, tot ist. Und das, obwohl es kaum eine Folge gibt, bei der wir den Tätern mehr gegönnt hätten, dass der Inspektor ihnen kräftig eins auswischt. Ihr Verhöhnen des Ermittlers ist beispiellos, übrigens an einer Stelle mit einer wunderbaren Falk-Columbo-Imitation von einem der beiden. Daneben gibt’s diverse Kult-Motive, diesmal vor allem das Auto betreffend, bei dem man es nicht mit dem stotterigen Fahren übertreiben muss – die Existenz des Gefährts in „unpassender Umgebung“ reicht schon und führt zu herrlichen Kabinettstückchen wie der Autoschlüssel-Szene mit dem Parkwächter. Etwas seltsam ist, dass so aalglatte Täter dem Inspektor dann doch massive Imperfektionen hinterlassen, ein Beispiel: Das Opfer wurde zu einer bestimmten Zeit zum Tatort gelockt, um sich angeblich in einem Restaurant mit dem Vater eines der Täter zu treffen; der Vater kann davon aber nichts wissen, ist also dort auch nie aufgetaucht. Letztlich hat das aber Methode, denn mehr denn je ist des Inspektors Schwierigkeit nicht, die Täter zu ermitteln, sondern sie derart festzunageln, dass ihm nicht ein geballter Apparat von Geld, Macht und Lobbymuskeln in die Kandare fährt. Obwohl wir am Ende nicht genau wissen können, ob er das erreicht hat, geht er konsequent vor: Er bohrt diesmal erst gar nicht mit seinen Fragen nach, sondern wiegt die Täter in Sicherheit. Er hatte ja auch in seiner Gastvorlesung gesagt, ein Ermittler sollte nie zuviel reden. Ein für Columbo, der jedem am liebsten die ganze Familiengeschichte erzählt, etwas seltsamer Vorschlag, aber er meint, man solle nie zu viel VOM ERMITTLUNGSSTAND VERRATEN. Und genau dies tut er – wie Michael Striss in seinem Columbo-Buch herausgearbeitet hat, in schönster Tradition Dostojewskis, bei dem der Kommissar in „Schuld und Sühne“ ebenfalls meint, wenn man den Täter ermittelt habe und dieser sich sicher fühle, könne man es ruhig noch eine Weile dabei belassen… Insgesamt 8 von 9. Die Arroganz der Täter ist vielleicht etwas dick aufgetragen, schon am Anfang durch Insignien wie laute Musik, protziges Gehabe, protzige Karre, das sorglose Schwängern und Abtreibenlassen am Fließband… Aber insgesamt eine der besseren Folgen, ganz klar! Und eben vor allem mit ungewöhnlichem und darin – meines Erachtens – anspruchsvollerem, weil ambivalenterem und beunruhigenderem Ende.

Tödliches Comeback  
21.10.2017 23:59:30
 
Eine dieser grandiosen „Hollywood-Episoden“, die auch noch damit brilliert, dass ein gealterter Star einen gealterten Star spielt. Was in dem ebenfalls gelungenen „Klatsch kann tödlich sein“ mit Anne Baxter begann, wird hier noch konsequenter mit Janet Leigh auf den Punkt gebracht und endet mit einem sehr berührenden wie ungewöhnlichen Finale, das aber zu Columbos Wesen passt. Das Detektivische sowie ein paar Kultmotive kommen ebenfalls nicht zu kurz, zudem ist das alles mit dem psychologischen Drama aufs Beste verwoben. Ganz weit oben, 9 von 9 Punkten, wobei ich den einzigen Mini-Einwand gleich mal vorab erwähne: Wieder einmal geht es um einen als Selbstmord getarnten Mord. Da aufgrund eines Todeskrampfes der Hand des Opfers klar ist, dass dieses die Pistole beim Schuss selbst gehalten hat, muss Columbo darauf kommen, dass die Täterin die Waffe nicht erst nach, sondern bei der Tat dem Opfer in die Hand gegeben hat. Das Opfer muss also betäubt gewesen sein. Somit hätte nahegelegen, dass Columbo eine Obduktion anordnet und sich aufgrund des Ergebnisses fragt: Wieso wirft sich jemand eine betäubende, aber nicht tödliche Überdosis Schlaftabletten ein und kann sich anschließend noch erschießen? Aber das sind Peanuts. Worum geht es nun wirklich? Bei Columbo geht es öfter einmal um Menschen, die auch als Täter im Grunde Opfer ihrer egozentrischen, verengten Sichtweise sind, die unter einer Glasglocke, in einer Illusionswelt leben und in bemerkenswertem Tunnelblick diese zwanghaft mit der realen Welt verwechseln. Und um Menschen, die im realen Leben Theater spielen, die ganz gezielt etwas „inszenieren“, sich selbst, den Mord, die falschen Spuren. Manchmal kommt beides zusammen, so natürlich hier. Dabei scheint Janet Leigh im direkten Vergleich zu der immer im Understatement sehr nuancierten Anne Baxter zunächst abzufallen. Mit ihrem fast schon hysterischen Gefasel von einem Musical-Comeback nervt sie gewaltig, und sie sieht nicht gut aus, was vor allem die Schuld des Kostümbildners ist. Die Dame in einem halbseitig schulterfreien Kleid, da sieht man schonungslos, dass sie nur Haut und Knochen ist, Knochen vor allem. Dies dürfte aber ein bewusster Akzent sein. Solche ein Kleid wird sie nie wieder tragen, und rückschauend zeigt die Szene eindrucksvoll, wie sehr sie Gefangene ihres Traumes ist und wie realitätsfern dieser ist. Dazu passt, dass ihr das Drehbuch eine Krankheit andichtet, die ihr Kurzzeitgedächtnis Aussetzer machen lässt, während das Langzeitgedächtnis noch tadellos ist. Erstens ist das wunderbar dargestellt, merken wir doch schon vor der Lüftung dieses Geheimnisses, dass die Dame seltsame Aussetzer hat (ohne dass es Dialoge und Mimik der Leigh zu holzhammerartig vorführen). Zweitens ist das natürlich auch ein kongeniales Sinnbild für das Leben in der ruhmreichen Vergangenheit und das Ignorieren des Heute. Soll man so einem Menschen die Illusion rauben? Am Ende offenbart sich zudem noch eine wunderschöne, wenn auch einseitige Liebesgeschichte, von der auch unser Ermittler nicht ungerührt ist, sodass er mit dem Liebenden einen illegalen Pakt schließt. Darf man das? Manche kritisieren dies. Man sollte aber bedenken, dass das nur Fernsehen ist und es zahlreiche Folgen gibt, in denen Columbo mit juristisch unsauberen Mitteln arbeitet – allein die gefälschten Beweise aus diversen Folgen und die schon etwas krasse Zusammenarbeit mit einem Mafiaboss in „Seltsame Bettgenossen“! Columbo ist nicht nur unbeirrbar, sondern auch Moralist und Humanist, und er hat Herz. So ließ er Ruth Gordon, für die er durchaus Sympathie hegte, nicht entkommen, obwohl von ihr als alter Frau keine Gefahr mehr ausging – aber weil sie ums Entkommenlassen ersucht und mit ihrer altersbedingten Gefahrlosigkeit kokettiert hatte. Berücksichtigt man dies, ist der Ausgang der vorliegenden Folge nicht nur hochemotional, sondern auch stringent und sympathisch.

Auch Details am Rande sind äußerst gelungen: Könnte man den Gag, dass Columbo sich vor dem Schießtraining seit Jahren drückt, nicht auch als parodistische Anspielung auf ein ebenfalls dysfunktionales Kurzzeit- bei perfektem Langzeitgedächtnis deuten, nach dem Motto: „Das hab ich doch schon bei der Ausbildung gemacht“? Ferner wird das Leben in der Illusion dadurch zum Ausdruck gebracht, dass sich der Leigh-Charakter ständig alte Filme mit sich selbst ansieht, was zudem perfekt mit dem Mord sowie der Detektion verknüpft wird. Und ihr Ex-Tanzpartner bringt den Unterschied zwischen Kunst und Leben herrlich sarkastisch auf den Punkt, wobei er dafür sorgt, dass das „falsche Leben“ auch positiv zu würdigen ist und Kunst von Können kommt (dito die Tanzproben, in denen der Leigh-Charakter auf die harte Wirklichkeit prallt): Wenn Columbo zwei linke Füße habe und nicht tanzen könne, möge er Kritiker werden („Kritiker sind wie Eunuchen. Sie wissen, wie es geht, aber sie können’s nicht“, heißt es gelegentlich sinngemäß unter Künstlern). Schließlich fallen Details auf wie das, dass Leigh, tänzerisch nicht mehr auf der Höhe, noch perfekt im figurbetonten Gymnastikanzug katzengleich schleichen und vom Balkon über einen Baum hinabklettern kann, woran Columbo übrigens im wahrsten Sinne des Wortes krachend scheitert. Für die Kunst tut sie alles, für die Kunst begeht sie den Mord, für den Mord kann sie sowas noch perfekt. Die schnittlose Szene zeigt übrigens, dass die Leigh sich nicht doubeln ließ!

Doch wie gesagt, die Fassade bekommt Risse, die zunächst unsympathische Leigh wird sympathisch oder zumindest bemitleidenswert, ihr Spiel und ihre Kostüme werden zurückgenommener, die Kamera betont nicht mehr den exaltierten Körper, sondern das wehmütige, nun mit nuancierterer Mimik auskommende Gesicht. Und sogar der typische Arrogante, der von Columbo zunehmend genervt ist, bekommt Herz und Seele, worauf Columbo am Ende auch auf wie gesagt sehr berührende Weise eingehen wird. Und dennoch ist er nicht „ein ganz anderer“, sondern ist dieser Fall wie für ihn gemacht, indem er eine Seite an ihm besonders hervorhebt, die aber erkennbar immer schon da war. Das Ganze ist ebenfalls hervorragend in den nicht so leicht als „handwerklich“ kleinzuredenden filmischen Tugenden wie Ausstattung, Kostüme, Kamera, Schauspielführung, Dekor, Beleuchtung. Eine der besten Folgen!

Mord in der Botschaft  
20.10.2017 09:13:21
 
Wie schaut das eigentlich rechtlich aus wenn in einer Botschaft ein Mord passiert. Darf da das Gastgeberland überhaupt ermitteln oder wird das intern geklärt. Welche Befugnisse hat da eine fremde Polizei überhaupt.

Das Aschenpuzzle  
Gast:
19.10.2017 13:31:58
 
Beim beim abwischen des Lippenstifts blinzelt der Tote mit dem linken Auge.

Ruhe sanft, Mrs. Columbo  
19.10.2017 05:21:53
 
Die Episode schlägt sogleich eine Dramatik ein, die fasziniert und elektrisiert: Die Folge traut sich offenkundig was und „dringt ein“. Nicht nur in uns, sondern auch in die Figur des Columbo. Das lässt ihn uns einerseits näherkommen, schmerzt aber auch (ihn wie uns). Damit werden gleichzeitig das Gesetz der Serie bedient und ausgetretene Pfade verlassen, damit dringen wir tatsächlich tiefer zu Columbo vor. Dass das gleichzeitig nicht zum peinlichen Seelenstriptease vieler Tatort-Kommissare verkommt, erschließt sich ganz genau erst am Ende. Geschickt suggeriert die Folge den einen oder anderen Tabubruch, der dann doch ausbleibt. Doch zurück zum Anfang in einem Rückblendenfilm. Geradezu elektrisiert war ich ob der Hommage an einen Filmklassiker, den ich heiß und innig liebe, der aber den Sprung in den Olymp der Filmgeschichte verpasst hat: „Die barfüßige Gräfin“ (USA 1954) von Joseph L. Mankiewicz. Dieser geniale Erzähler schuf das Porträt einer Frau in Rückblenden von ihrer Beerdigung ausgehend. Es regnete, und damals hatte Humphrey Bogart, wie jetzt Columbo, als einziger keinen Schirm und wirkte auch handlungsbedingt wie ein begossener Pudel. Dann auch noch die Rückblenden aus verschiedenen Perspektiven in beiden Filmen – das kann doch kaum ein Zufall sein? Leider zeigt sich bei der schönen Idee, dass die Episode erzähltechnisch mit der „Gräfin“ nicht mithalten kann, dem einzigen mir bekannten Film, in dem das Gesetz eingehalten wird, dass rückblickend nur das erzählt wird, was der Erzähler auch wissen kann. Das ergibt grad bei den Perspektivwechseln ein faszinierendes Puzzle. Hier hingegen: Jede Menge Brüche mit dieser Erzähllogik. Während bei Mankiewicz das multiperspektivische Vorgehen als kongeniale Vermittlung einer nur im und durch den Blick der anderen existierenden Hauptfigur geradezu zwingend erscheint, ist es hier letztlich Täuschung. Nett, aber überflüssig und irgendwie auch falsch. Es sind zwar verschiedene Personen, die – wie auch bei der „Gräfin“ durch einen inneren Monolog – die Rückblenden einleiten. Aber dann kommt dieselbe Geschichte. Zudem hätte man Columbo selbst als Rückblickenden gebraucht, da streng genommen nur er uns den typischen Informationsvorsprung hätte vermitteln können, den es natürlich auch hier gibt. Dass wir gleichwohl eine diesmal besonders trickreiche Auflösung nicht kennen und bzgl. gewisser Details sogar gezielt an der Nase herumgeführt werden, erhöht das Vergnügen nur. Eine insgesamt gelungene Episode, die auch ansonsten die Tugend mancher der späteren Folgen pflegt, wagemutig zu sein, z.B. auch mal optisch expressiv und ungewöhnlich zu sein wie etwa in dem traurig-schönen „Totentanz“ der Täterin, in dem sie ein Dia des verstorbenen Gatten auf sich selbst projiziert. Während es früher manche Folge gab, die „nichts falsch machte“ und die wirklich gut war, ist dies eine, die manchmal großartig ist, sich in ihrem Mankiewicz-Tribut aber geringfügig verhebt. Jeder möge selbst beurteilen, ob ein Film besser ist, wenn er die nicht ganz so hohe Messlatte bravourös meistert, oder, wie hier, wenn er die extrem hoch gelegte Messlatte knapp verfehlt. Sehr knapp. Phasenweise geradezu begeisternd und locker 8 von 9.
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