Columbos Ermittlungsweise ist ein Schulbeispiel für das Heranpirschen an die Wahrheit, für das Grillen und Überlisten des verlogenen Schuldigen. In der Tötungsszene einfallsreich und eindrucksvoll gefilmt und hochkarätig besetzt. Robert Culp und Ray Milland hatten sich mit ihren glaubwürdigen Darbietungen beide ein Ticket für einen wohl verdienten Schurkenplatz in der nächsten Staffel reserviert. Und wir erfahren, wenn wir die Folge auf Englisch gucken, warum Columbo überhaupt Polizist geworden ist: um seine Lausbubenstreiche als Junge wieder gutzumachen. Entzückend! Wer ihn jetzt nicht liebt, hat seine Chance verpasst.
Fantastisch: "Hund" löst für Columbo den Mordfall; ist das nicht allerliebst? Schon allein deswegen gehört die Folge - eine der wenigen, zu denen die Columbo-Erfinder Richard Levinson & William Link auch selbst an der Handlung mitgeschliffen haben - zu den wertvollen Klassikern.
Trotz all seiner Selbstzweifel bleibt der neurotische Schachspieler Emmet Clayton für mich ein beneidenswerter Glückspilz: Er hat Glück, dass er zweimal im rechten Moment Gelegenheit bekommt, unbemerkt in Tomlin Dudeks Hotelzimmer einzudringen. Und er hat Glück, dass Dudek nicht irgendwelche Kosenamen in seiner Sprache auf die Notiz gekritzelt hat, die er für Emmet schreiben sollte, denn damit wäre der Schwindel, dass es eine Nachricht von Dudek für Clayton sei, frühzeitig aufgeflogen. Und er hat Glück, dass er ohne nochmal gegen Dudek antreten zu müssen seinen verlorenen Weltmeistertitel zurück erhält. Oder nicht? Seinen Karriereverlauf hätte man ruhig noch weiter verfolgen können, aber in den 70 min war dafür wohl kein Platz.
Mit Horst Sachtleben komme ich nicht klar, deshalb ist es ärgerlich, dass RTL nur wegen ein paar wenigen unwichtigen Sekunden die komplette gute ARD-Synchro mit Klaus Schwarzkopf, Christian Rode und Heidi Brühl herself weggeschmissen hat. Weil auch ich wie Clayton ein Glückspilz bin, habe ich die "richtige" Fassung trotzdem in meiner Sammlung.
Im Optimalfall sind Columbo-Krimis so wie hier in diesem Verbal-Schach ein taktisches Duell zweier ebenbürtiger Strategen. In meinem Ranking geht es mit beinahe jeder Folge mal rauf und mal runter.
"Schach dem Mörder" rangiert zur Zeit in den Top 15.
Architekt Elliot Markham nimmt Rücksicht auf die Würmer und sorgt dafür, dass sie den widerwärtigen Multimillionär Beau Williamson nicht auffressen müssen, indem er die Leiche mit Zement umgeben wird...
In gewisser Weise die unentbehrlichste Folge der ersten Staffel, denn wenn Peter Falk diese unter seiner eigenen Direktion nicht hätte drehen dürfen, hätte er sich dickköpfig geweigert, in einen zweiten Jahrgang zu gehen, und was für ein Verlust für die weltbeste Krimiserie wäre das dann gewesen! Als Rache für seine Unnachgiebigkeit gab man Peter Falk ein Drehbuch, das wegen seines Schauplatzes auf der Baustelle ungemütliche, weil lärm- und staubbelastete Arbeitsbedingungen garantierte. Dennoch ein hochattraktives Milieu für ein Krimijuwel mit Köpfchen. Dass selbst unter Zeitdruck noch solch eine architektonische Meisterleistung entstehen konnte, spricht für die Gewissenhaftigkeit der Columbo-Crew und des Einmal-Regisseurs Peter Falk.
Einen kleinen Fehler hat die Sache dennoch: Ich selbst habe sowohl von Beethoven als auch von diversen älteren Country-Ikonen Musik im Regal stehen. Schon allein wegen "Schwanengesang" muss man doch Fan von Johnny Cash sein! Dass also die gegensätzlichen Stilrichtungen "Klassik" und "Unterhaltungsmusik" nicht von ein und derselben Person gehört und geliebt werden können, war eine falsche Schlussfolgerung, lieber Inspektor!
Ist mein Glasauge kaputt? Ich glaub, ich sehe doppelt:
Fernsehkoch Dexter Paris rührt das Badewasser seines Onkels mit einem neuen Mixer um und lässt ihn so zu Tode kommen. Oder irre ich mich? War es am Ende etwa sein Bruder Norman, der plötzlich die Szenerie betritt, als Columbo gerade Dexter seine Schweißfüße unter die Nase halten will? Norman sieht ja haargenauso so aus wie Dexter und hat (unrealistischerweise) auch die gleiche Stimme. Columbo ist ganz verwirrt und weiß gar nicht mehr, mit wem er gerade spricht: "Äh, sind Sie jetzt der Eine oder der Andere? Der Eine sagte mir doch... und wenn Sie nämlich der Andere sind, hätte der Eine ja gelogen..."
(Leider wird das Potential zu einer solch wltzigen Szene nicht genutzt und entspringt nur meiner Phantasie.)
Die beliebte Krimi-Formel des "How-to-catch-him", die "Columbo" so einzigartig macht, wird unerwartet variiert zu einem gewöhnlichen "Who-has-done-it". Das einst von Ken Franklin in "Tödliche Trennung" erklärte Krimiklischee des Zwillingsbruder-Effekts wird hier immerhin originell abgewandelt: Es waren beide Brüder die Mörder. Da das Script dies als Schlusspointe nutzen wollte, leistete es sich diesmal einen mit etwas weniger Clous gespickten Ermittlungshergang. Die Auflösung bietet leider auch keinen zündenden Wow!-Moment, wie es aber bei den meisten frühen Columbo-Folgen gang und gäbe war.
Die Synchronisation mit Klaus Schwarzkopf und Horst Stark in seiner Doppelrolle (den Dexter-Teil betont er beschwingt, unbekümmert und lebensfroh; den Norman-Teil eher düster, besorgt und seriös) ist zeitlos schön, auch wenn sie in der improvisierten Kochshow-Szene total daneben gegangen ist.
6 von 9 Punkten von mir.
Ich bin grundsätzlich auch für diese Folge. Der attraktive Urlaubsschauplatz versprüht unwiderstehlich viel Gemütlichkeit. Auch das Fehlen von Polizisten an Columbos Seite macht Spaß; dadurch wird er zum heldenhaften Einzelkämpfer gegen das Böse. Nicht mal im Urlaub gönnt er sich eine Pause - das nenne ich gewissenhaft! Witzig, wie Regisseur Ben Gazzara sein Spielchen "Zuschauerärgern" bis zum Ende durchzieht und Mrs. Columbo partout nicht auftreten lässt, obwohl sie hier doch wirklich mal gezeigt gehören würde! Auch Robert Vaughn als Mördertypus bleibt wohl jedem, der die Serie ewig nicht mehr gesehen hat, im Langzeitgedächtnis.
Ein paar Probleme mit der Geschichte habe ich trotzdem: Es ist zwar ein sehr spannender, aber auch ein arg riskantes Vorhaben: Selbst wenn Hayden aus Erfahrung wusste, dass in der ersten Nacht auf der Krankenstation keine Patienten liegen, konnte er sich unmöglich sicher sein, dass sein Verlassen von Melissa nicht bemerkt werden würde. Wenn sie nun in einer anderen Position ihr Buch gelesen hätte, nicht mit dem Rücken zur Tür, hätte Hayden seinen ganzen Plan, der viel mit perfektem Timing zu tun hat, knicken können. Dass dabei alles gut geht, strapaziert die Realität ein wenig.
Ein noch größeres Glaubwürdigkeitsproblem habe ich mit der Feder. Wo zum Geier konnte sie nur an Haydens Körper haften bleiben? Hayden hat sich nach der Tat die Steward-Uniform (Jacke, Hose, Schuhe) abgestreift. Da bleibt eigentlich nur noch das Haar als Klebestelle übrig, aber die Feder wäre wohl eher aus dem Haar gefallen, als Hayden sich beim Umkleiden bücken musste, oder während des hektischen Hochrennens auf der Crewtreppe. Dass die Feder genau dort abfällt, wo Hayden sich kaum bewegen kann, nämlich als er leise und klammheimlich zurück in sein Zimmer schleicht, wirkt sehr konstruiert, nur damit Columbo später ein starkes Verdachtsmoment bekommen kann, ohne welches die weitere Story nicht funktionieren könnte.
Dass am Ende schon wieder ein Paar Handschuhe aus der Krankenstation fehlt, darauf hätte Columbo ruhig hinweisen können. Ich gebe 7 von 9 Punkten.
Die Eröffnungsfolge, mit der "Columbo" in Deutschland in Serie ging. Die ARD entschied sich für einen Hochkaräter, um einen fulminanten Start in das große Columbo-Jahr 1975 zu finden. Auf den Tag genau 40 Jahre danach starb am 27.2.2015 Leonard Nimoy, der einen der finstersten und kaltblütigsten Killer überhaupt verkörperte.
Dumm gelaufen: Das geplante Mordopfer überlebt den Film und muss darüber hinaus sogar noch vom Mörder höchstpersönlich gerettet werden. Stattdessen bleiben zwei Unschuldige auf der Strecke.
Das beiläufige Stellen der Uhr, während Mayfield die Todesnachricht am Telefon erhält, ist ein fabelhaftes Verdachtsmoment, das Columbos starken Verdacht plausibel macht, noch bevor er ein Wort mit dem Widersacher gewechselt hat.
In den letzten 20 Minuten spielt die Folge in einer Liga mit sich selbst. Begeisternd: Dr. Mayfields Hohngelächter über Columbos "blödsinnige" Theorie, dessen anschließender Wutausbruch, der zum Fallenlassen seiner Maskerade führt: "Ich glaube den Blödsinn!". :D
Die zentralen Momente, in denen Columbo die Mörder mit seinem Verdacht konfrontiert, sind mal mehr und mal weniger ausgereift in ihrer Dramaturgie; hier ist der Moment ein wahres Zuckerschlecken. Ab sofort steht Columbo auf Kriegsfuß mit Mayfield und stellt ihm in Aussicht, dass er ihn in dem Augenblick besiegen wird, in dem das eigentlich geplante Opfer den Löffel abgibt.
Sauber eingefädelter Schlusseffekt: Einem bereits siegessicheren Dr. Mayfield fällt ein Stein vom Herzen, weil Columbo ihm schon zum Sieg gratuliert hatte - und dann kommt Columbo rasanter als je zuvor oder danach nochmal zur Tür herein. Diesmal hat er aber nicht noch eine kleine Frage, sondern den Geistesblitz zu einem großen Beweisstück, dass Mayfield einen Mord am Chirurgietisch begehen wollte. Auch wenn das Nahtmaterial, das Columbo aus dem Mantel zaubert, wie ein frisches Stück aussieht und nicht wie ein aus dem Körper rausgeholtes, lädt die letzte Szene zum Klatschen in die Hände ein. Stark ist auch, wie Dr. Mayfield wie ein Besiegter dreinschaut und dass direkt danach Schluss ist.
Fazit: Eine der goldenen Episoden, die Columbo zum Mythos machten.
@Tonio
"Ob die Assistentin und Geliebte des Täters auf Columbos Aufforderung, den Mann nicht mehr zu decken, reagiert, erfahren wir nie."
Anscheinend deckt sie ihn weiter, sonst hätte Columbo Dr. Collier danach konfrontiert mit dem Wissen über die Drogen, die er widerrechtlich einsetzt.
"Bei der zweiten Toten wird Schmuck gefunden, den eigentlich die erfundenen Einbrecher haben müssten."
Damit hat Collier Nadja belastet, um ihr den Mord an ihrem Mann in die Schuhe zu schieben. Seine erste Reaktion, nachdem ihm Columbo von Nadjas Ableben berichtet, ist auch entsprechend: "...dass sie es war, die ihren Mann getötet hat!"
"Der Täter muss wissen, dass bei einem zweiten Mord (der dann wirklich einer ist) sein Ziel, Ruf und Forschung zu retten, nicht erreichbar sein wird, da er illegal mit Drogen experimentiert, die im Opfer gefunden werden müssen."
Er könnte immer noch sagen, dass nicht er ihr diese Drogen in den Sitzungen verabreicht hat, sondern dass sie davon abhängig war.
"Kann der Täter davon ausgehen, dass das von ihm hypnotisierte Opfer tatsächlich neben statt in den Pool springt?"
Das Geländer ist kein Sprungbrett und der Pool weit genug weg. Falls Nadja doch im Pool gelandet wäre, wäre kein zweiter Mord geschehen (kein Problem dann) und Collier hätte es auf eine andere Art wieder versucht.
@Shop
"Allerdings ist damit lediglich der Beweis erbracht, dass er um diese Zeit dort war. Er könnte immer noch behaupten, dass Nadja die Tat begangen hat."
Dass Nadja die Mörderin sei, hatte Collier schon vor dieser Szene gemutmaßt. Wozu sollte er sie dann aber weiterhin decken, wenn sie schon tot ist? Collier hätte dann die Wahrheit auf den Tisch legen können und hätte während der Schlussszene nicht weiter vehement abstreiten müssen, zur Mordzeit im Haus gewesen zu sein.