@Tonio
"Ob die Assistentin und Geliebte des Täters auf Columbos Aufforderung, den Mann nicht mehr zu decken, reagiert, erfahren wir nie."
Anscheinend deckt sie ihn weiter, sonst hätte Columbo Dr. Collier danach konfrontiert mit dem Wissen über die Drogen, die er widerrechtlich einsetzt.
"Bei der zweiten Toten wird Schmuck gefunden, den eigentlich die erfundenen Einbrecher haben müssten."
Damit hat Collier Nadja belastet, um ihr den Mord an ihrem Mann in die Schuhe zu schieben. Seine erste Reaktion, nachdem ihm Columbo von Nadjas Ableben berichtet, ist auch entsprechend: "...dass sie es war, die ihren Mann getötet hat!"
"Der Täter muss wissen, dass bei einem zweiten Mord (der dann wirklich einer ist) sein Ziel, Ruf und Forschung zu retten, nicht erreichbar sein wird, da er illegal mit Drogen experimentiert, die im Opfer gefunden werden müssen."
Er könnte immer noch sagen, dass nicht er ihr diese Drogen in den Sitzungen verabreicht hat, sondern dass sie davon abhängig war.
"Kann der Täter davon ausgehen, dass das von ihm hypnotisierte Opfer tatsächlich neben statt in den Pool springt?"
Das Geländer ist kein Sprungbrett und der Pool weit genug weg. Falls Nadja doch im Pool gelandet wäre, wäre kein zweiter Mord geschehen (kein Problem dann) und Collier hätte es auf eine andere Art wieder versucht.
@Shop
"Allerdings ist damit lediglich der Beweis erbracht, dass er um diese Zeit dort war. Er könnte immer noch behaupten, dass Nadja die Tat begangen hat."
Dass Nadja die Mörderin sei, hatte Collier schon vor dieser Szene gemutmaßt. Wozu sollte er sie dann aber weiterhin decken, wenn sie schon tot ist? Collier hätte dann die Wahrheit auf den Tisch legen können und hätte während der Schlussszene nicht weiter vehement abstreiten müssen, zur Mordzeit im Haus gewesen zu sein.
@Tonio "Warum möchte so ein Kotzbrocken überhaupt seine Geliebte schützen, wo er doch noch eine andere hat?"
Zum Zeitpunkt des ersten Mordes hat Collier noch keine zweite Geliebte. Er macht sich erst an sie heran, nachdem er weiß, dass er Nadja vergessen muss, und zwar macht er sich nicht ohne Hintergedanken an Dr. Borden heran: Er braucht ein Alibi und er kann nicht gebrauchen, dass sie weiß, dass er Drogen einsetzt.
Außerdem braucht er Nadja noch, um sein Buch fertig zu stellen.
"Warum gibt der Mörder Columbo sein Feuerzeug, das doch eigentlich gar nicht mehr funktionieren dürfte?"
Beim ersten Mal bittet Columbo den Mörder um ein Streichholz, weil er Dr. Collier ein Streichholz verwenden sieht. Erst beim zweiten Mal bittet er um das Feuerzeug, das wieder funktioniert, weil Collier einen neuen Feuerstein eingesetzt hat, weil er sehr an diesem speziellen Feuerzeug hängt, weil es ein Geschenk seiner Schwester war. Das Bitten darum passt wohl bestens zu Columbo, der immer nicht dabei hat, was er dringend bräuchte, und es führt zu einem der besten Clous des Falls.
"Ein Fehler ist auch die Aussage, am Tatort seien keine Fingerabdrücke außer denjenigen des Opfers und seiner Frau gefunden worden. Der Mörder hatte dort munter ohne Handschuhe alles angetatscht, geraucht, sein Streichholz in den Kamin geworfen."
Wie in jeder Folge, in der ein Affektmord geschieht (vgl. "Ein Hauch von Mord" und "Mord mit der linken Hand") verwischt im Anschluss der Täter seine Fingerabdrücke und andere Spuren. Die Szene, in der Collier mit Nadja die Lügengeschichte einstudiert, endet mittendrin. Wir dürfen also annehmen, dass bevor Collier wegfährt, er selbstverständlich alle seine Fingerabdrücke verwischt.
Zur Ehrenrettung dieser vortrefflich gelungenen Geschichte habe ich zur Verteidigung einiges vorzubringen:
@Tonio >>Warum möchte so ein Kotzbrocken überhaupt seine Geliebte schützen, wo er doch noch eine andere hat?>Der Plan, die Tat fiktiven Einbrechern in die Schuhe zu schieben, ist hanebüchen und amateurhaft.>Warum gibt der Mörder Columbo sein Feuerzeug, das doch eigentlich gar nicht mehr funktionieren dürfte?> Ein Fehler ist auch die Aussage, am Tatort seien keine Fingerabdrücke außer denjenigen des Opfers und seiner Frau gefunden worden. Der Mörder hatte dort munter ohne Handschuhe alles angetatscht, geraucht, sein Streichholz in den Kamin geworfen.>Ob die Assistentin und Geliebte des Täters auf Columbos Aufforderung, den Mann nicht mehr zu decken, reagiert, erfahren wir nie.>Bei der zweiten Toten wird Schmuck gefunden, den eigentlich die erfundenen Einbrecher haben müssten.>Der Täter muss wissen, dass bei einem zweiten Mord (der dann wirklich einer ist) sein Ziel, Ruf und Forschung zu retten, nicht erreichbar sein wird, da er illegal mit Drogen experimentiert, die im Opfer gefunden werden müssen.>Kann der Täter davon ausgehen, dass das von ihm hypnotisierte Opfer tatsächlich neben statt in den Pool springt?>Allerdings ist damit lediglich der Beweis erbracht, dass er um diese Zeit dort war. Er könnte immer noch behaupten, dass Nadja die Tat begangen hat.
So raffiniert die Falle am Schluss auch ist, ein paar Fragen wirft die Story schon auf: Wieso ruft Halperin das Morddezernat an, wenn es noch gar keine Anzeichen für eine Leiche gibt? Wusste Halperin nicht, dass man bei einer routinemäßigen Autopsie seiner Ehefrau die Seife in den Lungen nachweisen würde? Warum agiert Halperin nicht so, als fürchte er um sein eigenes Leben, wenn er schon argumentiert "Der Einbrecher kam zurück, um meine Frau zum Schweigen zu bringen, damit er nicht identifiziert wird"?
Was bringt dem Zuschauer die öde Szene in der Kneipe, wo die völlig unwichtige Ehefrau von Artie Jessup vorgestellt wird? Warum haben wir stattdessen nicht den ersten Mord sehen dürfen? Das wäre doch viel interessanter gewesen.
Den Titel "schlechteste Schauspielerin der gesamten Serie" bekommt von mir die junge Dame, die die Leiche von Janice Caldwell verkörpern darf. Sie hat sooo eine einfache Rolle, einfach nur regungslos da zu liegen - und sie versagt doch wahrhaftig dabei, indem sie ihre Augenlider bewegt.
Peter Kirchberger nervt mit seinen vielen Äh's und Mmh's; überhaupt ist der Anteil an unnötigen Wiederholungen und Füllsätzen ohne Bedeutung in den Dialogen zu hoch. Man merkt, wie die Laufzeit auf 90 Minuten gestreckt werden sollte.
Üblicherweise sind die besten Duelle sonst diejenigen, in denen der Mörder arrogant agiert und Columbo unterschätzt und verspottet. Der von seiner strenggläubigen Ehefrau ausgebeutete und seiner Lebensfreude beraubte Sänger aber würde am liebsten Freundschaft schließen mit dem Mann, der sein Feind sein sollte. Tommy Brown erkennt auch in dem Inspektor einen unterbezahlten Arbeiter, der hart schuften muss, um über die Runden zu kommen, genau wie Tommy selbst. Und Columbo zeigt Tommy am Ende dadurch, dass er sich ohne weitere Polizeibeamte ganz allein in die Höhle des Löwen bzw. den finsteren Wald des Verbrechens wagt, dass dieser Mörder wirklich kein skrupelloser Unmensch ist, vor dem sich ein jeder in acht nehmen muss - und das sagt er ihm im wundervollen letzten Satz ja auch.
Man könnte sagen, Johnny Cash spielt sich hier regelrecht selbst, denn auch er war ein Philanthrop, der trotz seines Kultstatus als Country-Legende seine Mitmenschen nie von oben herab angeschaut hat. Diese Authentizität verleiht der Folge eine wohltuende Stimmung.
Die große Stimme von Johnny Cash, die man gewöhnlich nur singen hört, im englischen O-Ton sprechen zu hören, ist etwas ganz Besonderes. Es kommt mir dann so vor, als würde der Hauptdarsteller Peter Falk ausnahmsweise von seinem Gaststar in Sachen Präsenz fast in den Schatten gestellt. Seit der Erstsichtung liebe ich "Schwanengesang" - mein Rang 2 von 69!
Schon die Story mit der spektakulären Mordmethode (Flugzeugabsturz) hebt "Schwanengesang" auf Kino-Niveau. Auch psychologisch hat sie viel zu bieten. Wie sich Columbo trotz harmlosen Auftretens als echte Bedrohung für Tommy Brown herauskristallisiert (das merkt er auch), ist spannend zu beobachten. Die allergrößte Stärke der Folge aber, das was sie besonders spitzenmäßig macht, ist der ungewöhnlich respektvolle Umgangston zwischen Tommy Brown und Columbo in allen gemeinsamen Szenen.